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Sunday, 05 September 2010
 
Diary - Scanrail 2002

Donnerstag, 8.08.02
Heil am Flughafen Frankfurt Hahn angekommen. Leider mußten wir feststellen, dass wir statt den erwarteten 20 kg nur 15 pro Person mitführen dürfen. Mit unseren 42,5kg zusammen liegen wir dann doch recht deutlich über den erlaubten 30. Deshalb haben wir kurzerhand unsere Lidl und Müller Tüten ausgepackt und ein wenig umgeschichtet. Die Tatasche, dass wir jetzt ein wenig seltsam mit unseren ausgebeulten Tüten aussehen soll uns die Vorfreude nicht nehmen.
Hab fast den gesamten Flug geschlafen. Sind mit dem Bus vom Flughafen nach Tønsberg gefahren. Perfektes Wetter. Natürlich sofort Hosen abgezippt und Sandalen raus geholt. Am Flughafen hatte ich bereits mein erstes traumatisches Erlebnis. Wollte mir ein Bier bestellen. Nachdem ich erfahren hatte, dass es 9 Euro kostet, hab ich mir doch lieber Leitungswasser für umme bestellt. In Tønsberg haben wir eingekauft und am Hafen gechillt. Abends dann den Bus Richtung Süden genommen. Die nette Dame in der Tourist Information sagte, dass es da unten eine nette Küste gibt, wo man umsonst campen kann. Nach ca. 2 Stunden Busfahrt und Suche sind wir endlich an einem abgeschiedenen Fjord angekommen. Sind irgendwie auch einmal durch einen Vorgarten gelaufen. Die Besitzern war etwas verwirrt, aber wir konnten die Sache dann trotzdem noch klären. Die Rucksäcke sind sau schwer!!! Verrückt, wo die Norweger ihre Häuser bauen.... haben erst mal fein gekocht und jetzt sitze ich hier auf einem Felsen und werden von Schnaken aufgefressen. Das Zelt können wir nicht aufstellen. Zu viel Unebenheiten. Schlafen auf dem Felsen. Hoffentlich regnet es nicht. Flo ist sich nicht sicher, wie er denn auf „Fels“ schlafen könne. Erste Bewehrprobe!! Morgen mehr!

 

 

Freitag, 9.08.02
Moin! Von wegen Bewehrprobe. Nach ca. 5 Minuten im Schlafsack haben wie uns dann wegen der Schnakenschwärme, die immer mehr zu werden schienen dann entschlossen, in einer panischen Weise, wild um uns schlagend und alles im Laufschritt, unser Zeltz aufzubauen (trotz des schlechten Untergrundes) und uns so in Sicherheit zu bringen. Flo ist in der Nacht ein paar Mal mehr oder minder auf mir gelegen, da wir eine pervers steile Lage für unser Zelt gewählt hatten. Das Kondenswasser hängt heuet morgen in Tropfen an der Innenseiten des Außenzeltes. Etwas enttäuscht vom Zelt!
Wir werden hetzt frühstücken und dann uns auf den Weg nach Oslo machen.
Die Zugfahrt nach Oslo war ganz OK. Hab mich mit meinem MP3-Player vergnügt und bin dann wohl etwas weg geknackt ;-)....
In Oslo sind wir erst Mal zum Hagen runter und haben uns nach Fähren nach Frederikshavn (Dänemark) umgeschaut. Leider fahren die nächsten erst wieder morgen abend. Wir haben uns entschlossen, unsere Tour mehr auf den Outdoor Bereich auszuweiten (trotz verstochenen Beinen) und wollen deshalb auch keinen ganzen Tag mehr in Oslo bleiben, bis die nächste Fähre fahren würde. Nach langem hin und her haben wir uns dann entschlossen, in einer Jugendherberge zu übernachten und morgen früh den Zug nach Kopenhagen zu nehmen. 9 Stunden Zugfahrt... HEFTIG!
Die ersten Probleme treten auf. Habe doch etwas beunruhigend viel Blut in meinem Stuhlgang bemerkt. Hoffentlich nichts ernstes...
Bevor wir mit der Straba in die Jugendherberge gefahren sind, haben wir uns von ein paar Norwegern durch halb Osloschicken lassen, auf der Suchen nach einer Pizzeria, in der die Pizza nicht 30 Euro (!!) kostet und das Bier nicht 10. Als Deutscher hat man hier glaube ich schlechte Karten. Am Ende kamen wir im Basilika an. Scheint ein echter Geheimtip zu sein. Richtig schön und vor allem zusammen „nur“ 40 Euro bezahlt für Pizza und Bier...
Vor der Tourist Info haben wir uns dann noch eine recht eindrucksvolle Ausstellung von Hubschrauberfotos angeschaut. Leider waren wir schon ziemlich kaputt zu diesem Zeitpunkt. Die Sonne hat gebrannt wie verrückt. Morgen geht’s zu Anton!

 

Samstag, 10.08.02
Nachdem unser italienischer Zimmermitbenutzer es nach ca. 20 Minuten fertig gebracht hatte, das Bad zu verlassen, haben auch wir uns fertig gemacht und sitzen mittlerweile im Zug nach Gøteburg, wo wir dann in den Zug nach Kopenhagen umsteigen. Unser Frühstück bestand aus einem innen latschigen, außen trockenen Fertig-Sandwich. Für das Frühstück in der JHB mußten wir zu früh gehen. Schade..

 

 

Sonntag, 11.08.02
Sind abends in Dänemark bei Anton angekommen. Kurz durch Kopenhagen gelaufen und dann erst mal zu der Wohnung seiner Eltern duschen ;-). Haben uns dann 3 Videofilme reingezogen, Pizza geordert und Bierchen getrunken. Einfach relaxt! Nächster morgen(!) um 12 aufgestanden und Rundtour durch Kopenhagen gemacht. Sehr schön war vor allem der botanische Garten von Kopenhagen. Danach Kino „Minority Report“. Diesmal wurde nicht auf uns gepißt. Danach waren wir Falaffel essen und haben auch einen Video geschaut. Mit Bier natürlich!

 

 
Montag, 12.08.02
Heute morgen von Anton verabschiedet und Zug nach Malmø genommen. Dort hatte ich eines der schönsten Erlebnisse seit langem. Nach 3 Tagen endlich wieder normaler Stuhlgang :D.
Fahren jetzt gerade von Malmø nach Stockholm. In Malmø wollten wir einen Nachtzug von Stockholm nach Abisko reservieren. Leider war der geplante schon voll und wir mußten einen späteren nehmen. Ein kleiner Bonus ist bei dem späteren auch dabei. Teile der Strecke müssen wir in einem Tierabteil (!) verbringen... Da bin ich ja mal gespannt, wie das ausgeht. Flo war auf jeden Fall sofort Feuer und Flamme.
Beim Zug nach Stockholm lief soweit alles klar. In Stockholmselbst hat Flo ein eine kleine Stadtführung mit mir gemacht und wir haben (Flo’s Gesundheit zum Wohl) nach Ewigkeit einen Burger King gefunden wo wir uns dann ordentlich vollgefressen haben.
Beim Nachtzug nach Boden stellte sich heraus, dass wir kein Schafabteil gebucht hatten und bei einem Gesamtpreis von 115 Euro wollten wir das dann auch nicht mehr tun. Haben kaum Schlaf gefunden in der Nacht. Liebe Menschen mit lauten Handys. Am morgen dann erst mal im Zug Müsli mit Joghurt und Vollkornbrot mit vegetarischem Brotaufstrich verzehrt. Sind gerade in Boden ausgestiegen und warten auf den Zug nach Abisko. Das „Tierabteil“ ist nicht wie befürchtet ein Kuhwagen, sondern einfach ein Abteil in dem Haustiere (keine Kühe!) mitgeführt werden dürfen.

 

 

Dienstag, 13.08.02
Sind in „Abisko Tourist Information Center“ - Station ausgestiegen. Die einzigsten Zuginsassen waren Leute wie wir mit riesigen Rucksäcken. Dann gab’s auch gleich den ersten Schock, da die Hütte vor uns mit Tourist Information betitelt war (und wohl auch generell selten geöffnet ist). Da wir ohne Zugfahrplan und Wanderkarte sehr auf die TI angewiesen waren wurde uns doch ein wenig unwohl. Auf Nachfrage erfuhren wir dann, dass die eigentliche TI hinter uns liegt und wir sie wegen des Zuges nicht sehen können. Erleichterung...
Nachdem die Route geklärt war und unsere Vorräte aufgefrischt ging es dann los... auf den Kungsleden!
Da es schon recht spät war haben wir gleich nach einer Stunde auf dem ersten Campingplatz halt gemacht und Essen zubereitet. Was ein Festschmaus... fast 500g Nudeln gemischt mit Tütensuppe für 6 Teller. Dementsprechend sah es aus. Haben ein Pärchen getroffen, die sich auch Essen zubereiten. Aus dem Norden Deutschlands. Gleich mal unseren Trangia Kocher bewundert ;-). Nach dem Abwasch haben Flo und ich dann noch versucht ein wenig Holz zu hacken. Der Versuch hielt nicht lange an.
Tja, und jetzt liegen wir im Zelt und schreiben Tagebuch. Das Zelt hat sich soweit auch bewehrt, obwohl es extrem starke Kondenswasserbildung hat. Die örtlichen Toilette habe ich auch schon aufgesucht. Ein echtes Erlebnis! Eine Taschenlampe sollte man besser mit sich führen, obwohl man nicht mit ihr ins „Loch“ schauen sollte, da es doch kein wirklich schöner Anblick ist...

 

 

Mittwoch, 14.08.02
Wahnsinnig toll... genau an dem Tag, an dem wie Wandern wollen regnet es. Zu Anfang nur leicht, ab Mittag dann richtig. Dennoch haben wir uns nach dem Frühstück aufgemacht. Schon nach recht kurzer Zeit wurde klar, dass es nicht sonderlich sinnvoll ist, mit über 20 Kilo auf dem Rücken bei einem nicht wirklich für diese Last ausgelegten Rucksack, zu wandern. So mußten wir fast jede Stunde Pause machen, da die Schmerzen in den Schultern einfach zu stark wurden. Habe jetzt auch wunde Stellen an Hüfte und Schultern. Sind bis zu eine See-Station gewandert und haben dort erst mal gekocht. Um kurz nach 3 ging’s dann zurück. Wir wollten eigentlich wieder auf dem Campingplatz zelten, entschieden uns aber dann dafür, bis zur TI in Abisko zu gehen, wegen dem starken Regen. Mein komplette Hose war durchnäßt (unter der Regenhose) durch den Schweiß, der von meinem Rücken runter lief und ein meiner Regenjacke war es genauso naß, wie außen (kein Regenwasser!). An dem Campingplatz angekommen hatten wir noch mal halt gemacht und ich habe meine nassen Sachen gewechselt, was allerdings nicht richtig clever war, da wir noch eine Stunde Weg vor uns hatten. 2 schwedische Mädels hat das anscheinend nichts ausgemacht, dass ich mich vor ihnen bis auf die Unterhose ausgezogen habe. Flo’s Schuhe haben sich als wassereinbrüchig erwiesen, was die Sache für Flo nicht angenehmer machte. Nach 22 Kilometern im strömenden Regen kamen wir abends um 7 an und haben uns einen Platz im Bettenlager genommen, wo wir uns auch gleich auf die restlichen 8 Matratzen ausgebreitet haben. 2 mußten wir allerdings wieder räumen, da noch ein Pärchen gekommen ist. Aber dank unserer unglaublichen Organisationsgabe haben wir es geschafft, unserer nassen Sachen auf 6 Betten zu beschränken. Dafür sieht’s auf dem Boden (Boden? Wo?) jetzt aus, wie bei mir daheim. Ein anstrengender Tag heute. Gegessen habe ich.... würde sagen, dass das Bett ruft!

 

 

Donnerstag, 15.08.02
Haben den ganzen Tag praktisch gegammelt. Während Flo noch geschlafen hat, bin ich runter zum Fluß gelaufen. Dort war das Wasser leuchtend grün. Habe einen Haufen Photos gemacht und mich dann mitten im Fluß auf einen Stein gesetzt und von Smetana „Die Moldau“ gehört. Der Trockenraum stellte sich als ein Witz heraus. Nachdem wir dann etwas im Internet gesurft sind, Eis gegessen und Nudel gekocht hatten, sind wir um 17 Uhr in den Nachtzug gestiegen. Eigentlich wollten wir im Bordrestaurant ein Bierchen trinken, aber es war alles vollgestopft. Nach einmal umsteigen in Boden haben wir uns dann auch für die Nacht fertig gemacht. Neben Flo saß eine hübsche Dänin, an der er sich zeitweise etwas „angelehnt“ hatte.

 

 

Samstag, 17.08.02
Früh aufgestanden und unsere Sachen samt Zelt vor dem Bahnhof ausgebreitet, damit es trocknen kann. Nach dem Frühstück in den Zug nach Stockholm gestiegen. In etwa 3 Stunden kommen wir an...
Kurz vor der Ankunft in Stockholm hab ich schon mal vor der Zugtüre gewartet, bei der es 3 Stufen ziemlich steil runter ging. Auf jeden Fall kam dann irgendwann eine alte Frau (etwas füllig war sie schon) die mich dann in recht flüssigem English bat, ihren Koffer aus dem Zug zu tragen. Kurz darauf machte der Zug eine etwas ruckartige Kurve, worauf Oma nach hinten kippte, ihren Kopf an der Metalltüre des Zuges heftig anschlug, um Sekunden später kopfüber zwischen Zugtüre und Treppen zu verschwinden, so dass man nur noch ihren Hinterns sah und ihre bestrumpften Beine, welche aus dem Loch zwischen Treppe und Türe heraus ragten. Nachdem ich dann um Hilfe geschrieen habe, die Dame machte auch keinen Mucks mehr, kam Flo und zog sie dann an den Beinen, während ich an den Armen zog und darauf achtete, dass sie nicht jede Stufe mit ihrem Kinn begrüßte, wieder aus dem Loch heraus. Eigentlich dachte ich, dass sie zumindest schwere Platzwunden, wenn nicht Frakturen haben müsse, aber die zähe alte Frau richtete sich auf, brachte ihre Haare in Ordnung und dankte uns beiden... soviel zur Zerbrechlichkeit älterer Menschen. Mich hätte so ein Sturz wohl umgebracht.
In Stockholm selbst haben wir dann unser Gepäck abermals in die Förvaringsboxer geschlossen (wobei immer noch diese Endlosschleife mit dem beschissenen Video „Father to a son“ lief). Nach Sonnenbaden am Hafen, lecker Eis und ein wenig Entenfütterung sind wir dann an Bord der Silja-Line „Serenade“ gegangen. Es glich allerdings mehr einem 5 Sterne Hotel mit integriertem Kaufhaus + Tiefgarage, als einem Schiff. Nachdem wir unsere Kajüte (unter dem Autodeck! War billiger!) bezogen hatten und ein paar Socken (uff) gewaschen hatten, kam auch noch ein Zimmergenosse herein. Aus Taiwan. Ohne seine Kamera war er NIE anzutreffen. Auch konnte er nachts auf erstaunliche Weise eine MacLite unter der Decke hervorzaubern. Flo und ich sind dann auf jeden Fall erst mal auf das Sonnendeck und haben uns 2 Bier genehmigt, nach denen wir dann auch schon gut dabei waren. Die Fahrt war einfach Klasse! Das absolute Highlight dieses rundum schönen Tages. Abends haben wir uns am Buffet (25 Euro) dann mit edlen Speisen und freien Getränken die Mägen voll geschlagen, so dass wir danach (schon dunkel) wieder aufs Sonnendeck gegangen sind und noch einige Zeit über Frauen und die Welt philosophiert haben.

 


Sonntag, 18.08.02
Pralle Sonne und ewig viel Zeit in Helsinki, da der Nachtzug nach Paltamo (zu Elina und Anna) erst um 21:30Uhr fahren sollte. Wir also Gepäck eingeschlossen und die Stadt erkundet. Das einzigst schöne an der Stadt erschien uns der Markt am Hafen und der alte Hafen mit den vielen Segelschiffen und 6 Eisbrechern zu sein. Dort haben wir dann auch einige Zeit verbracht bis wir dann um 18:00Uhr doch recht deprimiert und enttäuscht von Helsinki ins Kino sind (High Crimes). Am Bahnhof dann hab ich 1 Euro bezahlt, damit ich Sch..... durfte und Flo hat 5,80 Euro für den Spiegel gezahlt. Hysterie breitete sich aus und bedenkliche Lachkrämpfe überfielen uns von Zeit zu Zeit, weil der Tag heute einfach so mies war.

 


Montag, 19.08.02
Wieder eine schlechte Nacht im Zug verbracht. Anna und Elina haben uns vom Bahnhof abgeholt. Ausgelassenes Wiedersehen!! Sind dann erst mal zu ihr nach Hause gefahren und haben dort gefrühstückt und erzählt. Danach Klamotten gewaschen und ich habe noch eine kurze Sauna Session eingelegt, bevor ich unter die Dusche bin. Genial!
Mittags sind mir wir dann an den Strand eines Sees gegangen und während Elina und Anna im wirklich kalten Wasser schwimmen gegangen sind, haben Flo und ich uns eher dem Schwimmen in Traumwelten hingegeben. Was teilweise in leichtem Sonnenbrand resultierte. Nach einem vorzüglichem Mittagessen mit Elinas gesamter Familie packten wir unsere Sachen zum Wandern und sind zu dem Haus ihrer verstorbenen Oma gefahren, welches leer stand. Dort natürlich gleich mal den Saunaschuppen im Garten angefeuert (mit Birkenholz!) und den Wasserkessel aufgeheizt. Abends dann ganz gepflegt 4 Saunarunden eingelegt mit ausreichendem Bier zwischendurch ;-)
Flo hat es schon nach dem ersten Durchgang gereicht und meinte, dass Saunieren nichts für ihn sei. Ins Bett ging’s dann nach einer kleinen Ess-Session, da wir am nächsten morgen fit sein wollten.

 


Dienstag, 20.08.02
Früh (sehr früh!) aufgestanden und gefrühstückt. Habe dann gemerkt, dass im Joghurt Gelatine drin ist und die Milch mit 0% (!!) Fett hat auch dementsprechend geschmeckt. Sah auch eher nach Wasser aus, als nach Milch. Sind jetzt gerade auf dem Weg zu unserem Wandergebiet. Los geht’s! Laut unserer Planung wollen wir im Oulanka National-Park 2 Tage wandern, welcher Teil der finnischen Bärenrute ist. Nachdem wir unser Auto in Junma abgestellt hatten sind wir mit dem Bus zu unserem Ausgangspunkt gefahren und haben losgelegt. Das Wetter war soweit ok. Stark bewölkt, aber zumindest kein Regen. Landschaftlich absolut beeindruckend und wunderschön. Einen Teil der Strecke hat uns ein Rentier begleitet, dass teils vor, teils hinter, teils aber auch einfach neben uns her gelaufen ist und die Pilze auf dem Weg gefressen hat. Nach etwa 16 km und 6 Stunden wandern haben wir unser Nachtdomizil erreicht und dürfen bei leckerem Essen (bis auf die Spargelcremesuppe) einen tollen Sonnenuntergang und 1000de Mücken genießen, bevor wir uns dann in der Hütte zum Schlafen gelegt haben.

 

 

Mittwoch, 21.08.02
Die Sonne brennt! Geniales Wetter. Schön gefrühstückt und Wasser vom See geholt, zum trinken. Dann ging’s weiter. Es gab auch Stellen, wo wir wirklich keuchend und schwitzend arbeiten mussten, um da rauf zu kommen. Teils verlief der Weg auch direkt am Fluss, so dass ein falscher Tritt ein unfreiwilliges Bad bedeutet hätte. Bezeichnend für die Strecke allerdings ist, so würde ich sagen, die ewig langen und unvorteilhaften Treppen und die ebenso langen Holzbohlenwege über Sumpfgebiete. Kurz vor Ende unserer Tour nach etwa der selben km Anzahl, wie am Vortag haben wir noch einmal eine längere Rast an einer alten Sägemühle eingelegt, bei welcher der Fluss eine ziemlich schnelle und wilde Passage hatte.
Letztlich waren wir aber alle doch froh, am Ende unsere verschwitzten Sachen auszuziehen und beim Heimfahren noch einen kurzen Zwischenstopp im Supermarkt zu machen. Mit anschließendem Fressgelage, versteht sich! Den Rest des Weges bin ich dann gefahren. Wieder bei „unserem“ Haus angekommen natürlich gleich wieder die Sauna angefeuert und die Biere kühl gestellt. Dann gab’s noch Pizza (für mich 2 ;-) und ein bisschen mehr Bier und dann ging es müde, aber doch glücklich ins Bett.

 


Donnerstag, 22.08.02
Gefrühstückt, gepackt und zum Bahnhof gefahren. Von Elina und Anna verabschiedet und jetzt sind wir im Zug und auf dem Weg zu den Lofoten. Hoffentlich schaffen wir es heute bis nach Bodo. Müssen schauen, wie die Busverbindungen von Finnland nach Schweden sind, da es keine Zugverbindung zu geben scheint.
Mit dem Bus hat alles geklappt. Alles im Scanrail-Ticket inbegriffen. Sind in Lulea, 0,5 Zugstunden von Boden. Der nächste Zug nach Narvik geht erst um 6 Uhr morgens. Wir entschließen uns dazu, die Nacht hier zu verbringen. In der Bahnhofsstation treffen wieder den Deutschen, der uns auch auf der Busfahrt begleitet hat. Ein Schüler aus Wuppertal. Ist alleine unterwegs und wird wahrscheinlich früher heimfahren. Nicht unbedingt das einfachste, in Skandinavien 3 Wochen alleine unterwegs zu sein, wenn man so etwas vorher noch nie gemacht hatte. Machen uns zu dritt in der Bahnhofsstation breit.
Um kurz vor 12 kommt der Sicherheitsdienst und schmeißt uns raus. Haben und mit unseren Matten und Schlafsäcken zwischen zwei Nadelbäume gelegt und dann kurzerhand dort geschlafen. Zum Glück haben wir die bauplane gekauft. Der Boden war total harzig. Besser Harz auf der Bauplane, als auf unseren Matten.

 


Freitag, 23.08.02
Sitzen jetzt gerade im Zug nach Narvik und hoffen, heute Abend noch auf die Lofoten zu kommen.
Die wechselhafte Landschaft ist einfach wunderbar. Je näher wir der norwegischen Küste kommen, desto unwegsamer, unfreundlicher wirkt die Landschaft. Kurz vor Narvik geht es nur noch im Schneckentempo voran und durch unzählbar viele Tunnels und an den Fjordwänden entlang.
Wir erreichen Narvik, den nördlichsten Bahnhof des skandinavischen Schienennetzes. Nach verwirrenden Erkundigungen in der TI (man merkt allerdings, dass man in Norwegen ist... überall hübsche Frauen ;-) sind wir zum Hafen gelaufen und haben dort erst mal gekocht. Pasta hängt mir langsam zum Hals raus. Meine aufgekratzten Schnakenstiche machen mir auch zu schaffen, da die Wunden nicht wirklich schließen und nachnässen. Haben dann das Expressboot zu den Lofoten genommen. Diese Fahrt trotzt einfach jedem Versuch, sie in Worte zu fassen. Das absolute Highlight unserer Tour bis jetzt. Bei strahlend blauem Himmel durch die Alpen im Meer zu fahren.... Einfach überwältigend diese Landschaft.
Sprachlos und regelrecht betrunken von der Schönheit der Natur kommen wir nach 3,5 Stunden fahrt an, kaufen Verpflegung und laufen schon mal eine Station des Lofotenbusses weiter. Kabelvag. Dort angekommen hatten wir ein wenig Probleme, einen geeigneten Zeltplatz zu finden, da alles sehr zugewachsen mit einer Art Heidegraß war und mehr einem Sumpf glich.
Sobald die Sonne weg war, wurde es auch empfindlich kalt und wir beeilten uns mit dem Kochen... Milchreis und Schokoladenpudding. Lecker, so einen Pudding zu essen, während man gemütlich eingekuschelt in seinem Schlafsack liegt.

 


Samstag, 24.08.02
Haben erst mal am Ortsrand von Kabelvag unser Zelt auf die Straße zum trocknen gelegt und ordentlich gefrühstückt. Müsli mit Yoggi und Käsebrot. Danach den Bus bis fast nach Å genommen. Wunderschöne Landschaft. Sind jetzt gerade auf der Fähre nach Bodø, wo wir auch die Nacht verbringen wollen. Das Wetter könnte einfach nicht besser sein. Langsam aber sicher werden die Berge der Lofoten immer kleiner und verschwinden hinter einem blauen Dunst.
Nach etwas Suchen haben wir den Bahnhof gefunden, der nicht wirklich als solcher gekennzeichnet ist und wo pro Tag etwa 3-4 Züge abfahren. Die Jugendherberge ist gleich im selben Gebäude, aber 150NK waren uns zuviel. Also kurzerhand den Kartenverkäufer im Bahnhof gefragt, wo wir unser Zelt aufschlagen könnten. Nachdem er uns dann total verwundert angeschaut hat und „What about right here?!“ sagte, ist uns klar geworden, dass Norwegen einfach „TOP“ ist!
Sind dann noch in die Stadt gegangen und haben bei Burger King nen vegetarischen Burger gegessen (vegetarisch bedeutet Whopper ohne das Fleisch!). Zurück beim Bahnhof merkten wir, dass er geschlossen hatte... samt unserem Gepäck im Schließfach!! Zum Glück war aber der Fahrkarteverkäufer noch drinne und machte uns nach mehrmaligen Klopfen die Türe auf. Ein Hoch auf diesen Menschen!
So gegen 10 Uhr fing es dann an, dass man am Horizont öfters mal ein kurzes Leuchten sehen konnte. Eine halbe Stunde später war der komplette Himmel schwarz und es ging ein Sturm, der uns fast unser Zelt weggefegt hätte. Also nochmals nachspannen und wieder in den Schlafsack .
Vorsichtshalber habe ich mich in kompletter Montur in den Schlafsack gelegt, da mittlerweile ein wolkenbruchartiger Regenfall auf uns nieder ging und in beunruhigender Nähe die Blitze einschlugen. Clever wie wir sind hatten wir unser Zelt natürlich unter 2 Bäumen aufgestellt. Gegen 0:30 war das Getöse dann weitgehend vorbei. Nur der Regen war noch zu hören, als plötzlich irgendetwas lautstark unser Zelt traf. Als ich dann rausschaute, stand da irgendein Norweger, der uns sagte, dass wir hier nicht Zelten dürften und jetzt sofort (!) gehen müssten. Er war auch noch so freundlich uns den Weg zum nächsten Campingplatz zu zeigen, der nur etwa 4 km weit entfernt gewesen ist. Alles änderte sich allerdings, als ich ihm erzählte, dass wir „permission“ hatten. „Oh... you have permission?? Than it’s OK!” Waren seine Worte darauf und er verschwand so schnell, wie er gekommen war in seinem Securitas Auto.

 

 

Sonntag, 25.08.02
Seltsames Land. Gestern noch ein heftiger Sturm mit Regen und Gewitter und heute irgendwie alles trocken... selbst unser Zelt. Gefrühstückt, zusammengepackt und ab in den Zug nach Trondheim.
Was für eine schreckliche Zugfahrt! In Trondheim hatten wir etwa 20 Minuten Aufenthalt. Genug Zeit um vorm Bahnhof schnell zwei Pasteria-Snacks zu kochen und „einzuatmen“.
Die Nachtfahrt nach Oslo war ein Graus. Bis um 1 Uhr den Spiegel gelesen und dann kaum geschlafen. Mittlerweile schauen mir die Leute auch nach, wenn ich an ihnen im Zug vorbei laufe... Zeit zu duschen, würde ich sagen!!

 


Montag, 26.08.02
Müde und immer noch stinkend in Oslo angekommen. Haben erst mal die weitere Reise geplant und uns dann ganz gepflegt vor dem Bahnhof in die Sonne geknallt und gefrühstückt. Danach ging’s weiter mit dem Zug nach Bergen. Flo hat im Zug dann erst mal den Härtetest seiner 5-Tage-5-Nächte Unterhose beendet und sich im Klo umgezogen. Bei mir wäre das wohl nur eine temporäre Lösung gewesen, weshalb ich sie schnell wieder verworfen habe. Da hilft nur eine lange, lange Dusche mit noch viel, viel mehr Seife, ordentlich Schampoo und das Verbrennen meiner jetzigen Klamotten!!
Sind absolut positiv überrascht von Bergen. Hier am alten Hafen hat man noch richtig das Gefühl, in einem verträumten Dörfchen zu sein. Erst mal die JHB klar gemacht (welche mit mehr als 40 Personen pro Raum mehr einem Arbeitslager glich) und dann schön Essen gegangen. Pizza und Bier! Sozusagen unser Abschiedsessen. Danach sind wir beide noch ein wenig um den Hafen rum geschlendert und haben uns beide gewünscht, jetzt doch ein hübsches Mädchen in den Armen zu haben...

 


Dienstag, 27.08.02
Morgens sind wir auf den Fischmarkt gegangen, was ich im Nachhinein schwer bereut habe. Zu sehen, wie Krabben und Hummer geschnürt auf engstem Raum in Bottiche gehalten werden und die Leute entzückt und bewundernd bemerken, was für Prachtkerle das doch sind, hat mir gründlich den Morgen verdorben. Bei solchen Anblicken fällt es mir manchmal schwer, mich daran zu erinnern, dass ich Pazifist bin, und diesen Leuten nicht die Fresse bis in den Arsch zu treten....
Sind dann noch ein wenig durch Bergen geschlendert, was mir auch dabei half, meine Wut und meinen Brechreiz zu unterdrücken. Die Verachtung blieb allerdings.
Im Moment sind wir gerade auf dem Weg nach Stavanger mit einer Flaggruten Express-Fähre. Etwas teuer, aber lohnend ist es auf jeden Fall. Abermals eine wahnsinnig tolle Landschaft hier. Den Preikistolen können wir leider nicht mehr besichtigen, da man hierfür 2-3 Tage einplanen sollte und auch ein wenig Kleingeld.
Angekommen in Stavanger sind wie erst mal ins Öl-Museum. Die Stadt scheint so etwas wie das Herz der Norwegischen Öl-Industrie zu sein. Das Museum kann ich nur jedem empfehlen. Ich durfte sogar mal einen echten Bohrer-Kontrollraum betreten und ein paar Knöpfe drücken... genau das richtige für mich ;-)
Hab dann auch gleich mal diese Not-Fall-Rutsche benutzt und Flo auch rein gejagt.
Danach den ersten Stadtpark aufgesucht und wieder ein mal total überpfefferte („Hey, Flo... könntest du das vielleicht mal mit einer Brise Pfeffer abschmecken?“) Nudeln mit Tomatensuppe gegessen und mit ein paar Schwänen Scrabble gespielt (gedankt sei den Buchstabennudeln).
Die Nachtfahrt nach Oslo war eigentlich ganz zumutbar.

 

 

Mittwoch, 28.08.02

Den ganzen Tag eigentlich nur irgendwie rumgegammelt und zwischendurch vor irgend einem Schloß unter ´nem Denkmal gerazt. Um uns herum liefen irgendwelche seltsamen Paradesachen ab mit Wachablösung und so... seltsame Sache. Sehr lustig, diese Nordmenschen. Flo und ich sind wohl jetzt auf einigen tausend Bildern zu sehen, von Touristen, die das Denkmal photografiert haben. War wohl doch was Wichtigeres...

Abends nach einem weiteren Chillen am Bahnhof dann nach Stanjeford gefahren. Glücklicherweise auch gleich einen Lift zum Flughafen bekommen (hatten kein Geld mehr für den Bus). Dort angekommen natürlich gleich „Permission“ eingeholt, um vor (!) dem Flughafen unser Zelt aufzustellen und dann schön gekocht. Irgendwann so gegen 11 sind wir dann, glücklich über Fluglärm und Nachtbauarbeiten, in unsere Schlafsäcke gekrochen.

 


Donnerstag, 29.08.02

Ohne Essen (*heul*) im Flughafen warten müssen, bis unser Flieger zurück nach Deutschland ging.

Das war’s dann.

War schön!

Auf Wiedersehen Skandinavien. Bis zum Sommer 2003 auf dem Kungsleden!!

 

 
 
 
Last updated: 2008-11-21 18:25:47

 

 
 
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